Als dritte Geschäftsführerin durfte ich am 5. März 2011 mein Geschäft studio_raumBezug in den neuen Räumen des Projektes, der Auenstraße 44, eröffnen.

Weshalb ich mich entschieden habe, meinen weiteren beruflichen Weg mithilfe des STUDIO_Projektes zu gehen, liegt für mich klar auf der Hand. Als gelernte Raumausstatterin bestand der Gedanke an eine eigene Werkstatt schon lange. Denn selbst in einem so klassischen Handwerk ist Spezialisierung möglich und für mich auch notwendig. Mein Fokus soll auf dem Neupolstern alter, geliebter Möbelstücke liegen und auf einem einfachen Prozeß: alter Stuhl wird neuer Stuhl. Mit dieser modernen, schlichten und einfachen Logik möchte ich selbstständig sein und nicht wie in klassischen Raumausstattungsbetrieben eine riesige Auswahl von Dienstleistungen anbieten. Auch das Vermeiden einer Materialschlacht in Form von unzähligen Musterbüchern war und ist mir wichtig.

Problematisch war in diesem Sinne, dass ich natürlich nicht die erste Raumausstatterin in Pfaffenhofens bin. Mit der Reduktion meines Angebots auf das Polstern wollte ich auch Kundschaft einladen, welchen der Schritt zum Raumausstatter eigentlich nicht so nahe liegt. Damit erhoffte ich mir also, einige Alleinstellungsmerkmale zu erlangen.

Meine Selbstständigkeit mit Hilfe des Projektes zu starten, war der ideale Weg für mich. Zu einschüchternd erschien mir dieser Schritt ohne jeglichen Rahmen, außerdem herrschten bei mir Mängel an geschäftlichem Know-How, in der finanziellen Situation, am Selbstbewusstsein, das alles alleine zu stemmen und zuletzt auch noch Zweifel, ob hier überhaupt ein Markt für mich besteht.

Vom STUDIO_ versprach ich mir Unterstützung in vieler Hinsicht. Eine Minderung des finanziellen Risikos, eine Plattform, über die ich Aufmerksamkeit erlangen konnte, die Möglichkeit, mich unverkrampft auszuprobieren und für alle Aspekte einer Selbstständigkeit Ansprechpartner im Netzwerk.

Der Weg vom Zuschlag zum eigenen Geschäft war aufregend. Es hat sich neu und gut angefühlt, einen Schlüssel in der Hand und einen Platz zu haben. Das Vertrauen der Stadtjugendpflege, dass ich die Zeit gut nutzen werde, gab mir Motivation und Rückhalt.

So nahm ich mir den Februar 2011 für Vorbereitungen aller Art. Zusammen mit dem Coach Ralf Klocke baute ich mein Konzept aus, ich meldete mein Gewerbe an, erstellte mit Unterstützung von Dieter Pfab einen Businessplan, kümmerte mich um die Einrichtung des Ladens, den Material- und Werkzeugeinkauf und stellte Beziehungen zu Händlern her. Ich nahm an Filmaufnahmen des BR teil, kümmerte mich um Visitenkarten und Plakate und plante auch meine Eröffnungsfeier.

Am 5. März präsentierte ich also das studio_raumBezug. Meinen Gästen stellte ich das konkrete Konzept vor: nur Polsterarbeiten, aus alt mach neu, Sonderanfertigung von Kissen und anderen Arbeiten. Hierfür biete ich ausschließlich hochwertige, schlichte Stoffe in nicht zu großer Auswahl.

Meinen Raum gestaltete ich mir offen und einsichtig: im Schaufenster wird gehandwerkt, nicht in einer versteckten Werkstatt. Mir war es wichtig, die Begeisterung für den Aufbau von Möbeln und die Kunst dieses Handwerks zu teilen.

Der reguläre Betrieb lief an, von Dienstag bis Freitag war ich zwischen 11 und 19 Uhr im Laden anzutreffen, Samstags von 11 bis 14 Uhr. Kundentermine plante ich täglich vor und nach der Arbeit ein, diese braucht es einerseits, um Möbelstücke abzuholen oder zu liefern und andererseits, um den Stil der Kunden auch kennenzulernen. Zu Beginn erreichten mich zahlreiche Aufträge von Bekannten, bald öffnete sich aber die Kundschaft und selbst von außerhalb gingen Anfragen ein. Anfängliche Schwierigkeiten aufgrund von Materialengpässen waren schnell überwunden. Ab April hatte ich kontinuierlich Arbeit.

Die Auslastung zeigte mir natürlich auch Schwierigkeiten der Struktur, die ich mir geschaffen hatte, auf. Dass ich schlecht nur alleine Möbelstücke wie Sofas liefern kann, liegt auf der Hand. In solchen Situationen also auf die Mithilfe meiner Kunden, Freunden oder Familie angewiesen zu sein, funktioniert auf Dauer wahrscheinlich nicht mehr. Auch die Offenheit meines Arbeitsplatzes war nicht nur von Vorteil. Die Vermischung von Beratung, Buchhaltung und produzierendem Handwerk klappt nicht immer, dringende Aufträge werden manchmal überraschend von Beratungsterminen unterbrochen. In dieser Hinsicht muss ich mich in Zukunft, für einen effektiveren Rhythmus entscheiden.

Jedoch konnte ich in den Monaten im STUDIO_ merken, dass vieles gar nicht so kompliziert ist, wie es mir im Vorfeld erschien und auch Ratgeber zur Selbstständigkeit es häufig darstellen. Das Wasser, in das ich gesprungen bin, war zwar kalt, aber es wird wärmer. Auch einschüchternde Aspekte wie zum Beispiel die Buchhaltung stellen zwar eine Herausforderung da, wenn man darauf angewiesen ist, wächst man jedoch hinein.

Meine Befürchtung, in Pfaffenhofen keinen Markt zu finden, hat sich nicht bestätigt. Die Kommunikation lief rund, die Kundschaft hat mein Konzept verstanden. Mithilfe lokaler Medien konnte ich mir einen Kundenstamm erarbeiten, der mir weiter Vertrauen in meiner Arbeit schenkt.

Das Projekt sieht eine maximale mietfreie Zeit von sechs Monaten vor. Da ich den Laden gerne weiter führen wollte, trug ich nach dieser Startphase Miete und Nebenkosten selbst. Mitte Oktober 2011 zog ich dann in eine abgeschlossene Werkstatt, da sich dort mögliche unregelmäßige Arbeitszeiten besser mit meinem Leben mit Kind vereinen lassen. Das Modell der Selbstständigkeit passt besser zu meinem Leben, als ich dachte. Nach dieser achtmonatigen „Schule“ in einer eher exponierten Position, traue ich mir zu, Privat- und Berufsleben unter einen Hut zu bekommen, mit freier Zeiteinteilung und Pflege meines Kundenstamms mein kleines Geschäft rentabel weiterzuführen.

Schlussendlich empfinde ich das Projekt STUDIO_ grundsätzlich als große Bereicherung für die Stadt Pfaffenhofen. Da ich auch davor schon mit dem Thema der Selbstständigkeit liebäugelte kann ich sagen, dass sich das Projekt aufgrund seiner Flexibilität und Persönlichkeit sehr von anderen Förderungsprogrammen unterscheidet und bestimmt in vielen Fällen die Sicherheit bieten kann, die man braucht, um einen solchen Schritt zu wagen. Auch die Freiheit, zu erkennen, dass die Selbstständigkeit nicht zu einem passt, ist bei diesem Projekt wichtig und schafft ein Gefühl der Absicherung.

Zum Glück habe ich herausgefunden, dass es für mich funktioniert. Deshalb bleibe ich dabei.

Katrin Stahl, Mai 2012

Slogan