Am dritten Dezember 2011 eröffnete ich als vierter Geschäftsführer der Studio_Laden-Reihe das “Studio_Gekrizzel”. Mit großer Freude und auch einer gehörigen Portion Stolz denke ich an die sechs Monate Ladenbesitzer in der Auenstraße zurück. Diese Zeit hat mir nicht nur sehr viel Spaß bereitet, sondern war reich an Erfahrungen, die ich ohne das Studio_Projekt wohl nie in der Form gemacht hätte und die ich auf gar keinen Fall missen möchte.

Ich hatte das Projekt von Anfang an mit großem Interesse verfolgt und seit Beginn mit dem Gedanken gespielt auf diesem Wege der Selbständigkeit – in meinem Fall als freier Illustrator – ein Stück näher zu kommen. Im Verlauf meines Kommunikationsdesign-Studiums an der Hochschule München, habe ich mich auf den Bereich der illustration spezialisiert und schon neben meinem Studium als freischaffender Illustrator, vor allem im Bereich Editorial-Illustration, gearbeitet, unter anderem für verschiedene Zeitschriften wie das NEON- oder NIDO-Magazin. Im Wintersemester 2011 hatt ich schließlich die wichtigsten Projekte und Kurse erfolgreich abgeschlossen, so dass Studium und Studio gut miteinander vereinbar waren.

Mein Ladenkonzept sah folgendes Angebot vor: Grafik und Illustration, als Auftragsarbeit oder in Form verschiedenster von mir gestalteter Produkte, wie zum Beipiel Postkarten, Buttons, Poster, Taschen und T-Shirts. Im Grunde wollte ich einen Laden eröffnen, so wie ich ihn mir früher immer für Pfaffenhofen gewünscht hatte. Einen Laden, der auf originelle Weise aus der Masse herausragt und liebevoll gestaltete Produkte zu ganz unterschiedlichen Preisen anbietet. Und das ganze in einer herzlichen und kreativen Atmosphäre.

Der Laden selbst sollte hierbei als Verkaufsfläche, sowie Ausstellungs- und Arbeitsraum fungieren. Den Namen “Studio_Gekrizzl” empfand ich als sehr passend, so machte er auf humorvolle und selbstironische Weise deutlich, worum es mir ging: Eine junge, freche Form der Illustration, die zwar einen hohen Anspruch hat, sich aber trotzdem selbst nicht zu Ernst nimmt. Dies war mir aus zweierlei Gründen wichtig, einerseits betrachte ich mich selbst mehr als Dienstleister und weniger als Künstler und andererseits wollte ich so eventuellen Berührungsängsten von Seiten der Pfaffenhofener Bevölkerung vorbeugen. Das positive Feedback, welches ich auf meine Namenswahl bekam, bestätigte mich in meinen Überlegungen.

Bei der einrichtung des Ladens entschied ich mich für ein ähnliches Konzept: eine Mischung aus Design und – etwas überspitzt formuliert – Sperrmüll: professionell und gleichzeitig experimentierfreudig, hip und doch bodenständig. Minimalistische Designermöbel aus dem alten Bürofundus meines Vaters trafen auf unbehandelte Holzscheite und besprühte Palletten, die als Dekoration bzw. Präsentationsfläche dienten. Verschiedene Zeichnungen und hochwertige Drucke wurden, in Flohmarktrahmen gefasst, in russischer Hängung präsentiert. Ein Regalbrett in zweidimensionaler Form an die Wand getapet. So entstand ein sympathischer, witziger, individueller und doch professioneller Gesamteindruck. Meine Öffnungszeiten wählte ich wie folgt: Dienstag bis Freitag, von 11:00 bis 19:00 Uhr und Samstag von 10:00 bis 14:00 Uhr.



Die Wochen vor der Eröffnung dienten der Vorbereitung und Organisation. Ich richtete mich im Laden ein, druckte Visitenkarten, stockte mein Warensortiment auf und machte Werbung. So gab ich mehrere Interviews, stellte mich und mein Konzept vor und beteiligte mich an verschiedenen Aktionen in der Pfaffenhofener Innenstadt, wie zum Beispiel dem Weihnachts-Wichteln oder der Weihnachtsfeier der Stadtjugendpflege.

Die Zeit im Studio_ lässt sich rückblickend in zwei Pasen aufteilen, zu Beginn gab es die Laden-Phase, was natürlich sehr durch den Zeitraum begünstigt war – die Vorweihnachtszeit. Ich konzentrierte mich hauptsächlich darauf meine “kleinen” Produkte und Geschenkideen, die sehr gut in diese Zeit des Jahres passten, zu verkaufen, zu promoten und anschließend mit der Produktion hinter her zu kommen – was mich als Ein-Mann-Betrieb bisweilen an meine zeitlichen Grenzen brachte. Das Interesse und die Wertschätzung der Pfaffenhofener Kundschaft an den handgearbeiteten Produkten überraschte mich sehr positiv. Das dieser Ansturm mit den Feiertagen abflaute war natürlich von vornherein klar, aber nichts desto trotz sorgte die Weihnachtszeit für einen schönen Einstieg in den Ladenalltag. Um einem Durchhänger vorzubeugen konzentrierte ich mich in den folgenden Monaten auf Illustration als Dienstleistung und arbeitete sowohl für Pfaffenhofener Privatkunden als auch für namhafte Geschäftskunden.

Meine Arbeit erstreckte sich von der Gestaltung individueller Grußkarten über die Anfertigung gerahmter Bilder bishin zur Illustration für auflagenstarke Zeitschriften wie zum Beispiel das ZEIT Campus-Magazin.

Am tollsten waren die Synergien, die sich durch das Studio_Projekt ergaben. So hatte ich das Glück beim städtischen Lichkalender teilnehmen zu dürfen, bei dem alljährlich zur Weihnachtszeit Fassaden in der Innenstadt mit Motiven beleuchtet werden. Es war ein großartiges Gefühl eine meiner Zeichnungen hausgroß an die Wand zu projeziert zu sehen. Die Unterstützung von Seiten der Tutoren wie zum Beispiel der Nepata GmbH gab mir die Möglichkeit mit Foliendruck zu arbeiten und einerseits das Schaufenster mit Klebefolien-Figuren zu besiedeln und andererseits in kleinen auflagen T-Shirts mit Flexfolien zu bedrucken – beides Medien mit denen ich vorher nie gearbeitet hatte.

Zusammenfassend könnte man sagen bin ich an der Zeit im Studio gewachsen, was meine arbeit, meinen Umgang mit Kunden und meinen Erfahrungsreichtum um Umgang mit verschiedenen Medien anbelangt. Interessenten kann ich deshalb nur raten sich über dieses Projekt zu informieren und den Schritt zu wagen, sich ebenfalls zu bewerben. Man kann nichts verlieren, sondern nur gewinnen – an Selbstbewusstsein, wissen und Erfahrung.

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Sebastian Schwamm

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